in Audiologie, Chirurgie

MRTs mit Cochlea-Implantat – ein großes Thema, das immer wieder Fragen aufwirft. Die Spanierin Mercedes Garcia ist geradezu prädestiniert, solche Fragen zu erläutern, befindet sie sich doch in einer seltenen „Doppelrolle“: Als Radiologin im Universitätsspital Virgen Macarena in Sevilla und CI-Trägerin kennt sie die Perspektiven und Überlegungen beider Seiten aus persönlicher Erfahrung.

Im Interview spricht sie über ihren plötzlichen einseitigen Hörverlust, dessen Behandlung, die Bedeutung von MRT-Untersuchungen und darüber, was getan werden kann, um medizinische Einrichtungen künftig noch besser über den Umgang mit Hörimplantaten im MRT zu informieren.

Sie tragen ein Cochlea-Implantat. Wie hat es Ihre Hörfähigkeit verbessert?
Zuerst möchte ich all den Fachleuten danken, die Teil meines eigenen Wegs zum neuen Hören waren und mir dabei geholfen haben, dank meinem Implantat viele Aspekte meines Lebens wieder zu normalisieren. Nach meiner plötzlichen einseitigen Ertaubung hat das Cochlea-Implantat bewirkt, dass ich wieder deutlich besser höre. Die Fähigkeit, auditive Reize über beide Ohren zu empfangen, ist sehr wichtig und gibt mir Sicherheit in Bezug auf meine Umwelt. Zwar höre ich nach wie vor hauptsächlich mit dem gesunden Ohr – das Implantat auf der anderen Seite hilft mir aber, Sprache besser zu verstehen, ohne meinen Kopf ständig drehen zu müssen. Wenn ich das CI deaktiviere, wird mir meine einseitige Taubheit erst wieder vollkommen bewusst. Es fühlt sich an, als wäre die Mitte meines Kopfs “abgeschaltet”.

Verbesserung von Hyperakusis und Tinnitus

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Audioprozessor gemacht?
Ich verwende seit 2018 den RONDO 2 Audioprozessor. Er ist sehr angenehm. Am meisten mag ich, dass er kompakt ist und das Ohr frei lässt, weshalb ich ihn bequem mit einer Brille tragen kann. Das hat sich vor allem seit Pandemiebeginn als großer Vorteil herausgestellt, da ich beim Arbeiten täglich mehrere Stunden eine Schutzmaske tragen muss.
Mein RONDO 2 wird von anderen kaum bemerkt – die Ästhetik war jedoch für mich bei der Auswahl des Audioprozessors nicht das entscheidende Kriterium. Sehr praktisch ist, dass sich der RONDO 2 über Nacht laden lässt und keine Einwegbatterien benötigt.

Wie ist es, mit dem CI Musik zu hören?
Musik zu hören, bedeutete eine ganz neue Lernerfahrung. Ich kann es nun wieder genießen und habe nach und nach damit begonnen, Musikstücke am Klavier zu spielen. Das Schwierigste für mich war der laute Klang des Pianos, der sich mit den Pedalen nur sehr begrenzt abschwächen lässt.

Ist Ihre Hyperakusis verschwunden?
Die Hyperakusis ist nicht gänzlich verschwunden, hat sich aber durch das Cochlea-Implantat deutlich verbessert. Das ist enorm wichtig. Der Tinnitus und die Hyperakusis, die aus meiner einseitigen Ertaubung resultierten, waren offen gesagt der limitierende Faktor auf meinem Weg zurück in ein erfülltes Familien-, Arbeits- und Privatleben. Mittlerweile bemerke ich den Tinnitus nur mehr, wenn ich den Audioprozessor vor dem Schlafengehen abnehme. Untertags nehme ich den Tinnitus nicht wahr.

Reha-Tipps für Menschen mit einseitiger Taubheit

Welche Reha-Tipps waren empfanden Sie als besonders hilfreich?
Rehabilitation ist von zentraler Bedeutung für den Hörerfolg mit einem Cochlea-Implantat. Es ist ein langer, aber unumgänglicher Prozess. Die unterstützenden Tipps von Sprachtherapeuten sind sehr wertvoll. Gerade bei Menschen mit einseitiger Taubheit wird die Rehabilitation mitunter durch die „Dominanz“ des gesunden Ohrs gestört. Es kann kompliziert sein, das gesunde Ohr für die Rehabilitationsübungen „auszublenden“. Hier können externe Hörhilfen eingesetzt werden, die Klänge direkt zum CI transportieren und so das normalhörende Ohr komplett ausklammern.

Mit den Augen der Radiologin

Wann hatten Sie in Ihrem Beruf als Radiologin erstmals mit Cochlea-Implantaten zu tun?
Das war so ungefähr im Jahr 2000. Ein Kind mit einem CI wurde damals in die Notaufnahme eingeliefert und zur medizinischen Abklärung an die Abteilung für Radiodiagnostik überwiesen.

Sind Radiologen im Allgemeinen ausreichend über Cochlea-Implantate informiert?
Ich persönlich habe aufgrund der Tatsache, dass ich in einem Krankenhaus mit Implantatzentrum arbeite und noch dazu selbst ein Cochlea-Implantat trage, relativ viel Kontakt zur HNO-Abteilung und Patienten mit CI.
Generell würde ich sagen, dass der Kenntnisstand sehr davon abhängt, in welchem Bereich Radiologen arbeiten. Die Radiologie ist ein weites Feld mit etlichen Spezialisierungen auf bestimmte Körperregionen. Radiologen, die sich auf den Kopf-Hals-Bereich spezialisiert haben, verfügen naturgemäß über mehr Fachwissen im Umgang mit CI-Nutzern.
Insgesamt stieg die Zahl an prächirurgischen Studien mit CI-Trägern, die sowohl CTs als auch MRTs umfassten, in den vergangenen Jahren stark an. Das führte dazu, dass sich Radiologen mit dieser Thematik befassen mussten.

Wie tragen radiologische Abteilungen der steigenden Zahl an Patienten mit Hörimplantaten Rechnung?
Es gibt heute klinische Richtlinien, wissenschaftliche Abhandlungen und definierte Prozesse sowohl von den wissenschaftlichen radiologischen Organisationen als auch von den unterschiedlichen Implantat-Herstellern.
Im Idealfall kommen die Patienten mit detaillierten technischen Informationen zu Typ, MRT-Kompatibilität und Hersteller des Implantats zur Untersuchung – falls nötig, kontaktieren wir darüber hinaus einen klinischen Spezialisten.

MRTs mit Cochlea-Implantat

Gibt es für Radiologen ausreichend Schulungen und Infomaterial zum Umgang mit Cochlea-Implantaten im MRT?
Ich denke, dass das Informationsangebot nicht ausreicht. Alle Radiologen wissen, dass das Tragen eines Cochlea-Implantats eine Kontraindikation darstellen kann – viele wissen aber nicht, dass es lediglich eine relative Kontraindikation ist. Was uns Radiologen und Röntgentechnikern häufig fehlt, sind spezifische und aktuelle Kenntnisse über die unterschiedlichen Implantate sowie deren Kompatibilität, Sicherheitsbestimmungen und MRT-Bedingungen.
Ich möchte darauf hinweisen, dass eine engere und flüssigere Kommunikation zwischen den verschiedenen medizinischen Fachrichtungen und Unternehmen erforderlich ist. Ein laufender Austausch mit anderen medizinischen Spezialisten, die täglich mit diesen Implantaten zu tun haben, wäre hilfreich – etwa in Form regelmäßiger Update-Treffen mit klar aufbereiteten Informationen für radiologisches Fachpersonal. Das Röntgentechnik- und Pflegepersonal ist vor der Untersuchung dafür zuständig, die schriftliche Einwilligung der Patienten einzuholen und genau durchzuschauen. In diesem Formular sollte der Patient das Implantatmodell angeben, damit dessen MRT-Kompatibilität erhoben werden kann. Das Problem dabei ist, dass viele Menschen die Marke oder den Typ ihres Implantats gar nicht nennen können. Allgemein herrscht unter Hörimplantat-Nutzern – wie unter der Gesamtbevölkerung auch – einige Verwirrung über die Unterschiede zwischen CT, MRT und Ultraschall. Viele Nutzer Wissen nicht, für welche bildgebenden Verfahren ihr Implantat zugelassen ist – und unter welchen Voraussetzungen.

MRTs mit Cochlea-Implantat

Der frei rotierende S-Vector Magnet des SYNCHRONY 2 Implantats richtet sich nach dem Magnetfeld aus und erlaubt MRTs sogar bei 3,0 T Feldstärke.*

Wie wird an der Abteilung für Radiologie, an der Sie arbeiten, mit CI-Nutzern verfahren?
An unserem Zentrum halten wir uns an einen fixen Prozess, den wir in Zusammenarbeit mit der HNO-Abteilung definiert haben. Zuerst haben die CI-Patienten einen ambulanten Termin in der HNO-Klinik, bei dem abgeklärt wird, um welches konkrete Implantat es sich handelt und unter welchen Voraussetzungen (Kopfverband, chirurgische Magnetentfernung, …) eine MRT-Untersuchung durchgeführt werden kann.

Haben Sie sich mit Ihrem Cochlea-Implantat bereits einer MRT-Untersuchung unterzogen?
Bisher war kein MRT notwendig. Aber die MRT-Kompatibilität war für mich ein starkes Argument, mich für ein MED-EL Implantat zu entscheiden.

Was kann Ihrer Meinung nach getan werden, um Fachpersonal im Umgang mit implantierten Patienten künftig noch besser zu unterstützen?
Ich denke, dass vor allem der Zugang von Menschen mit Cochlea-Implantat zu radiologischen Untersuchungen besser organisiert werden kann – speziell in Krankenhäusern, in denen solche Implantationen durchgeführt werden. Die Zahl der CI-Träger steigt ebenso wie das Implantationsalter, was wiederum mit weiteren Pathologien einhergeht. Dennoch werden Untersuchungen implantierter Patienten noch immer relativ selten durchgeführt.
Die ersten klinischen Richtlinien haben ein CI als eindeutige Kontraindikation für MRTs eingestuft. Es wäre äußert sinnvoll, neue Guides mit detaillierten Infos zur Kompatibilität verschiedener Geräte und den entsprechenden Sicherheitsbestimmungen zu veröffentlichen und an die Radiologie-Abteilungen zu verteilen.
Wichtig ist, dass diese Richtlinien nicht nur den Ärzten, sondern auch dem technischen Personal der radiologischen Abteilungen zur Verfügung stehen, zumal diese die Patienten begleiten, die ausgefüllten Formulare kontrollieren und schließlich die MRT-Untersuchung durchführen.
Auch die Patienten selbst sollten von der Klinik, in welcher die Implantation erfolgte, präzise Infos zu ihrem Implantat sowie zu MRT-Kompatibilität und Sicherheitsmaßnahmen bei medizinischen Diagnoseverfahren erhalten.

Ein tieferes Verständnis

Welche Tipps würden Sie anderen Radiologen geben, wie man mit Implantaten umgehen sollte?
Ich möchte, dass andere Radiologen verstehen, dass ein CI kein Ausschlussgrund für ein MRT ist und jeder Fall einzeln überprüft werden muss.
Heutzutage ist das MRT ein wichtiges diagnostisches Verfahren, das in vielen Fällen nicht durch ein anderes Verfahren ersetzt werden kann. Deshalb ist es wichtig, sich auf den neusten Stand zu bringen und sich zu informieren, anstatt Patienten voreilig vom MRT auszuschließen.
Bevor die Untersuchung durchgeführt wird, sollte man überprüfen, ob ein MRT wirklich indiziert ist und ob die Information, die dadurch gewonnen wird, die Behandlung entscheidend beeinflussen würde.
Abhängig von der klinischen Überzeugung und der Pathologie des Patienten, ist es wichtig, auszuschließen, dass sich die MRT-Untersuchung durch alternative Verfahren ersetzen lässt (CT oder Sonographie), die ähnliche diagnostische Informationen liefern könnten.
Wenn all das abgeklärt wurde, müssen MRT- und CT-Kompatibilität genau überprüft werden, um die Untersuchung sicher durchführen zu können.

Hat die Tatsache, dass sie selbst ein Cochlea-Implantat tragen, die Art und Weise verändert, wie Sie Menschen mit Implantaten behandeln?
Natürlich hat sich mein Wissen über das Thema erheblich erweitert und ich kann heute besser nachvollziehen, wie der Alltag mit Hörverlust und einem Cochlea-Implantat aussieht und welche Schwierigkeiten das mit sich bringt.

Nach meinen Erfahrungen der vergangenen Jahre empfinde ich Gehörlosigkeit als „unsichtbare Behinderung“. Ich möchte allgemein Bewusstsein für Gehörlosigkeit und Hörverlust schaffen. Viele sind sich der Einschränkungen, die Menschen mit Hörverlust erleben, und der Isolation, der sie häufig ausgesetzt sind, nicht bewusst.

Ich versuche, so weit wie möglich sicherzustellen, dass die Kommunikation immer den Bedürfnissen der implantierten Patienten und gegebenenfalls ihrer Familien entspricht.

Mir ist darüber hinaus sehr bewusst, dass die Verwendung des Mund-Nasen-Schutzes eine zusätzliche Herausforderung für Menschen mit Hörverlust darstellt. Deshalb versuche ich, immer klar und deutlich zu sprechen.

Vielen Dank, dass Sie Ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben.

MRTs mit MED-EL Cochlea-Implantaten

Alle MED-EL Cochlea-Implantate seit 1994 ermöglichen MRT-Untersuchungen*, ohne dass der Implantatmagnet entfernt oder ersetzt werden muss**. In diesem Blogartikel erfahren Sie, wie MRT-Untersuchungen mit Cochlea-Implantaten funktionieren.

Wie laufen MRTs mit dem SYNCHRONY Implantat in der Praxis ab? Lesen Sie hier den interessanten Fallbericht einer Radiologie-Technologin.

Sie sind auch an der MRT-Sicherheit anderer MED-EL Produkte interessiert? Detaillierte MRT-Bedingungen und Sicherheitshinweise für all unsere Hörlösungen finden Sie auf www.medel.com/de/isi. Und sehen Sie sich auch unseren Blog-Artikel zum Thema MRT mit dem SOUNDBRIDGE oder BONEBRIDGE Implantat an.

Abonnieren und weiterlesen

Abonnieren Sie jetzt den MED-EL Professionals Blog und erhalten Sie regelmäßig Updates von MED-EL direkt in Ihren Posteingang.

* MED-EL Cochlea-Implantate ab 1994 sind bedingt MR-sicher. Nutzer können sich problemlos einer MRT-Untersuchung unterziehen, sofern die Voraussetzungen gemäß dem Handbuch für Medizinische Verfahren für MED-EL CI/ABI Systeme eingehalten werden.

** Ausgenommen bei diagnostischer Notwendigkeit. 

Comments

comments

Empfohlene Beiträge