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Veröffentlicht Aug 08, 2024
Die Funktion des Hörimplantats überprüfen, eine geeignete Lernumgebung schaffen, sinnvoll nachfragen: Mit ein paar einfachen Tricks und Ideen können Lehrpersonen Kinder mit Hörimplantaten im Schulunterricht unterstützen und ihnen das Lernen angenehmer machen.
Dass Kinder mit Hörimplantaten die Ausführungen in der Schulklasse akustisch mühelos verstehen, ist die Grundvoraussetzung dafür, dass sie dem Unterricht auch kognitiv und inhaltlich folgen können. Störende Geräusche etwa erschweren die Konzentration, was sich negativ auf die schulische Entwicklung von Kindern auswirken kann. Das gilt im Übrigen für das Erlernen des Schulstoffs ebenso wie für der Erwerb sozialer Kompetenzen beim Spielen am Schulhof – gerade dort, wo es laut zugeht, besteht das Risiko, dass Kinder mit Hörimplantaten wichtige Informationen, Aufgaben oder Hinweise falsch interpretieren oder gar nicht mitbekommen, was zu Missverständnissen und unangenehmen Situationen führen kann. [1]
Vor diesem Hintergrund ist entscheidend, dass Lehrkräfte, die mit hörimplantierten Kindern arbeiten, sowohl über die genutzten Hörsysteme als auch Strategien zur Unterstützung und Integration dieser Kinder in eine Klasse mit normalhörenden Gleichaltrigen Bescheid wissen. Kleine Veränderungen können eine große Wirkung entfalten und Kindern mit Cochlea-Implantaten nachhaltig dabei helfen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.
Eines vorweg: Wenn Kinder mit Hörimplantaten den Unterricht stören, sich nicht wie üblich benehmen und durch herausforderndes Verhalten auffallen, kann das mitunter auf ein technisches Problem zurückzuführen sein. Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche mit Hörverlust in der Schule häufiger durch “störendes” Verhalten auffallen als normalhörende Gleichaltrige. [2,3,4,5]
Das heißt jedoch nicht, dass ein Problem mit dem Hören bzw. dem Hörsystem zwangsläufig zu „auffälligen“ Verhalten führt. Oder anders ausgedrückt: Auch unauffälliges Verhalten kann auffällig sein. Manche Kinder neigen dazu, nicht darauf aufmerksam zu machen, wenn ein technisches Problem mit Ihrem Implantat besteht, und sich stattdessen möglichst still und passiv zu verhalten.
Je besser Sie sich mit dem Hörsystem des Kindes in Ihrer Klasse auskennen, desto eher können Sie technische Störungen oder Ausfälle erkennen und beheben. Holen Sie sich fachliche Information, wo immer Sie diese bekommen können – von den betroffenen Kindern, ihren Erziehungsberechtigten oder Fachleuten wie Audiolog*innen, Gehörlosenpädagog*innen oder Akustiker*innen.
Auch im Internet gibt es etliche Plattformen und Informationsseiten zu Hörsystemen. Je genauer Sie im Vorfeld wissen, um welche Art von Implantat-System es sich handelt, desto gezielter können Sie sich online informieren.
Machen Sie den Implantat-Check zur täglichen Routine am Unterrichtsbeginn. Eine schnelle Überprüfung samt gegebenenfalls erforderlichem Batteriewechsel kann Fehlfunktionen in vielen Fällen vorbeugen. [6]
Die Batterien und Akkus des Audioprozessors haben Laufzeiten, die im Normalfall locker für einen Schultag ausreichen. Dennoch kann es nicht schaden, vorbereitet zu sein: Sprechen Sie mit den Eltern und bitten Sie sie, eine Packung Ersatzbatterien bei Ihnen zu deponieren. Lassen Sie sich zeigen, wie Sie die Batterie des Audioprozessors wechseln, damit Sie das Kind dabei unterstützen können.
Dennoch sollten die Schüler*innen dafür sensibilisiert werden, Probleme mit dem Hörsystem eigenständig in Angriff zu nehmen und sich ohne Zögern zu melden, wenn Sie bemerken, dass mit dem Hören gerade etwas nicht stimmt. Je älter die Schulkinder sind, desto mehr Selbständigkeit darf vorausgesetzt werden – gerade bei jüngeren Kindern empfiehlt es sich aber, in regelmäßigen Abständen zu überprüfen, ob das System einwandfrei funktioniert.
1. Überprüfen Sie den Batteriestand.
2. Checken Sie, ob Lautstärke und Hörprogramm richtig eingestellt sind.
3. Kontrollieren Sie das Spulenkabel auf Risse oder Sprünge.
4. Berichten Sie Ihre Beobachtungen den Eltern und/oder betreuenden Fachleuten.
In einer ruhigen Umgebung können Kinder mit Hörimplantaten dem Unterricht besser folgen. Klingt logisch – nur ist es in einem Klassenzimmer mit vielen Kindern selten leise. Wir haben deshalb einige konkrete Tipps zusammengetragen, die sich im täglichen Unterrichtsbetrieb einfach umsetzen lassen:
Reduzieren Sie durch Geräte (Computer, Projektoren, Ventilatoren, Klimaanlage, …) ausgelöste Hintergrundgeräusche, soweit möglich, und schließen Sie die Fenster.
Sprechen Sie mit der Schulleitung darüber, wie der Raum akustisch modifiziert werden kann – etwa durch Akustikpaneele, die verhindern, dass Schall von Wänden und Decke reflektiert wird und so ein Echo entsteht. Eine günstige und rasche Lösung können Stoffe (z. B. Tischtücher, Vorhänge, Gardinen) und kleine Teppiche bieten, die am Boden und den Wänden platziert werden. Außerdem sollten Stuhl- und Tischbeine unten mit Filz abgeklebt werden, damit beim Verrücken kein störendes Nebengeräusch entsteht. Ein Drehstuhl macht es dem mit Hörimplantat versorgten Kind leichter, sich schnell einer sprechenden Person oder anderen Geräuschquelle zuzuwenden. Ein ruhiger Sitznachbar und eine möglichst große Entfernung zu besonders lauten Klassenkamerad*innen sind ebenfalls von Vorteil.
Externe Hörhilfen gibt es mittlerweile für jedes Hörimplantat-System. Sie verbinden den Audioprozessor des Implantat-Systems mit externen Audiogeräten (Mikrofonen, Induktionsanlagen, FM-Systemen, …), um Sprache oder Musik über größere Distanzen und in lauten Umgebungen direkt „auf das Ohr“ zu übertragen. Der Nutzen von externen Hörhilfen (auch ALDs, assistive listening devices) für den Schulunterricht ist vielfach wissenschaftlich untersucht und bestätigt. [7]
Im Falle eines Frontalvortrags ist die Sache einfach: Die Lehrperson kann direkt in das Mikrofon sprechen, das den Ton kabellos an den Audioprozessor des Schulkinds sendet. Bei interaktiven Gruppenarbeiten kann wie folgt vorgegangen werden: Ist ein Soundfield-System vorhanden, wird der Transmitter einfach jeweils an jene Person weitergereicht, die gerade am Wort ist.
Es gibt ganz unterschiedliche Technologien und Zubehörgeräte zur Verbindung des Implantat-Prozessors mit externen Audioquellen. Hier finden Sie eine Übersicht über sämtliche Anschlussmöglichkeiten mit MED-EL Audioprozessoren, inkl. AudioLink samt seinem integrierten kabellosen Fernmikrofon.
Das ideale Signal-Rausch-Verhältnis für gutes Sprachverständnis im Klassenzimmer liegt bei mindestens + 15 dB. [8] Das bedeutet, dass die Stimme der Lehrperson mindestens 15 dB lauter sein muss als der vorhandene Hintergrundlärm. Dass diese Differenz nicht durch ein Anheben der Stimme, sondern durch ein Absenken des Hintergrundlärms erreicht werden sollte, dürfte auf der Hand liegen.
Machen Sie allen Kindern in der Klasse bewusst, dass es wichtig ist, während der Schulstunden leise und aufmerksam zu sein. Formulieren Sie gemeinsam mit den Kindern einfache Regeln, die Sie in der Klasse aufhängen.
Schüler*innen mit Hörimplantat sollten möglichst weit entfernt von inneren (Elektrogeräte, z. B.) und äußeren Lärmquellen (Verkehr, z. B.) sitzen. Sie sollten nicht nur nahe an der Lehrperson sitzen, sondern auch direkten Sichtkontakt haben, um bei Bedarf Wörter von den Lippen ablesen zu können. Wenden Sie sich stets den Kindern zu, damit die Schüler*innen zusätzlich zum Gesprochenen Ihre Körpersprache (Haltung, Mimik, Gestik) wahrnehmen können.
Weitere hilfreiche Tipps für den Unterricht mit hörimplantierten Schulkindern:
Laden Sie unsere attraktiven Reha-Poster kostenlos herunter. Sie enthalten praktische Tipps und Tricks, die etwa ein Gespräch mit einer hörimplantierten Person für beide Seiten angenehmer machen können. Passend zum Thema finden Sie ein Poster speziell zur Unterstützung von Kindern mit Hörverlust im Klassenzimmer.
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