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Max Schnabl, Mag. BA
Veröffentlicht Mär 25, 2021 | Letztes Update Sep 25, 2026
Sie erinnern sich vielleicht noch. 2019 kam mit dem BCI 602 Knochenleitungsimplantat die zweite Generation des BONEBRIDGE Implantats auf den Markt. Haben sich die Weiterentwicklungen ausgezahlt? Wie effizient, sicher und zuverlässig ist die BONEBRIDGE? Zeit für eine Zwischenbilanz.
Das BCI 602 Knochenleitungsimplantat fußt technologisch auf dem Vorgänger BCI 601, dem weltweit ersten aktiven und transkutanen Knochenleitungsimplantat. Vorzüge wie die Einbettung unter der intakten, geschlossenen Haut und die Generierung der Vibrationen direkt im Implantat wurden beibehalten. Zentrale Neuerungen sind der noch flachere, ergonomisch geformte Wandler sowie die schnelle und vor allem außerordentlich stabile Fixierung des Implantats mittels zweier selbstbohrender Schrauben.
Wie sieht es nun mit der langfristigen Zuverlässigkeit der BONEBRIDGE aus? Die kumulative Überlebensrate der BONEBRIDGE (BCI 602 Implantat) von 98,73 % nach mehr als sechs Jahren (Stand: Juli 2026) beeindruckt. Was solche Zahlen aussagen, wie sie zustande kommen und welche Rolle das Implantat-Design und chirurgische Aspekte dabei spielen, erfahren Sie in diesem Artikel.
Welch großartige Hörresultate sich mit aktiven Knochenleitungsimplantaten erzielen lassen, ist seit Langem bekannt – die Direct-Drive Knochenleitung sorgt für eine kraftvolle Verstärkung und ein natürliches Hörempfinden. Das BONEBRIDGE Implantat liefert hervorragende und stabile Hörergebnisse, sowohl subjektiv wahrgenommen als auch objektiv durch Audiometrie belegt.[11][12][13][14]
Langfristiger Hörerfolg mit der BONEBRIDGE bringt neben Hörleistung eine weitere Kategorie ins Spiel: die Produktzuverlässigkeit.
Will man die Zuverlässigkeit von Hörimplantaten umfassend, transparent und objektiv beurteilen, führt kein Weg an der sogenannten kumulativen Überlebensrate (Cumulative Survival Rate, CSR) vorbei. Klingt sperrig, ist aber im Grunde ganz einfach erklärt: Diese Prozentzahl drückt aus, wie hoch die statistische Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Implantat nach einer bestimmten Zeit noch einwandfrei funktioniert.
Bei MED-EL rechnen wir in diese Zuverlässigkeitsstatistik alle technischen Ausfälle mit ein – unabhängig davon, ob der Ausfall auf eine äußere Krafteinwirkung zurückgeht oder nicht.
Wir erheben laufend umfassende Zahlen zur Produktzuverlässigkeit der BONEBRIDGE und kommunizieren diese transparent. Dabei folgen wir der Norm ISO 5841-2:2014. Beide BONEBRIDGE Implantate, BCI 601 und BCI 602, präsentieren sich außerordentlich zuverlässig. Sehen Sie sich die kumulative Produktüberlebensrate im Detail an.
Zu den Zahlen >Diese hohen Zuverlässigkeitszahlen sind kein Zufallsprodukt. Sie reflektieren die aufwändige Entwicklungsarbeit, die High-End-Produktion und die längste Markterfahrung aller transkutanen Knochenleitungsimplantate.
2012 revolutionierte die BONEBRIDGE als weltweit erstes aktives, transkutanes Knochenleitungsimplantat-System den Markt der Hörlösungen. Tausende erfolgreiche Implantationen weltweit sowie etliche Studien unterstreichen den Erfolg der BONEBRIDGE.[1][3][15]Das BCI 602 Implantat, das erstmals 2019 implantiert wurde, ermöglicht mittlerweile ebenfalls bereits tausenden Menschen in über 50 Ländern mittels Knochenleitung wieder zu hören.
Was macht die BONEBRIDGE zum fortschrittlichsten und erfolgreichsten Knochenleitungsimplantat? Die Gründe sind vielfältig:
Im Gegensatz zu perkutanen Systemen lässt die BONEBRIDGE die Haut intakt. Das Implantat sitzt unter der gesunden Haut und überträgt die Vibrationen direkt auf den Knochen.
Die Haut wird durch die aktive, transkutane Technologie auf zweifache Weise geschützt: Zum einen gibt es keine permanente, täglich zu pflegende Wunde wie bei perkutanen Systemen, die häufig Komplikationen hervorrufen.[2] Zum anderen wird der hohe Anpressdruck auf die Haut vermieden, wie er bei passiven Implantat-Systemen zur Übertragung der Vibrationen benötigt wird. All das trägt dazu bei, dass die BONEBRIDGE weit geringere Komplikationsraten als perkutane oder passive transkutane Implantat-Systeme aufweist.[3][10]
Knochenleitungssysteme: aktiv & transkutan (BONEBRIDGE) vs. passiv vs. perkutan
Caversaccio et al. (2025) verglichen im Rahmen einer großen Meta-Analyse unter Einschluss von 170 Publikationen und insgesamt 6.451 Implantationen unterschiedliche Typen von Knochenleitungsimplantaten und deren Komplikationsinzidenz.
Dabei zeigte sich eine signifikante Überlegenheit transkutaner Implantate gegenüber perkutanen – sowohl in Bezug auf leichtere Komplikationen (Hautinfektionen, z. B.) als auch auf schwere (Explantation des KL-Implantats erforderlich, z. B.).[10]
Im Vergleich der beiden aktiven transkutanen Knochenleitungsimplantate (BONEBRIDGE von MED-EL und Osia® von Cochlear Ltd) unterschied sich die Inzidenz schwerer Komplikationen zwar nicht signifikant – die Inzidenz leichterer Komplikationen, insbesondere Schädigungen der Haut, jedoch durchaus: Hier schneidet die BONEBRIDGE deutlich besser ab. Die Autoren der Meta-Analyse nehmen an, dass dieser Befund durch offensichtliche Unterschiede in der Form des Wandlers begründet sein könnte.[10]
Im Unterschied zum Wandler des piezoelektrischen Osia Implantats ist der Wandler des elektromagnetischen BB Implantats klein im Durchmesser, folgt der natürlichen Form des Felsenbeins und wird in den Knochen eingebettet. Der piezoelektrische Wandler dagegen führt zu einer Protrusion und erzeugt einen stärkeren Druck von innen auf die Hautschichten.
Um die ideale Position des Implantats schon vor der Inzision zu eruieren, ermöglicht die OTOPLAN Software präoperativ eine dreidimensionale Rekonstruktion des Felsenbeins samt Visualisierung der BONEBRIDGE.
Präoperative Visualisierung der BONEBRIDGE Position in OTOPLAN
Der Aufbau des Implantats mit dem flexiblen Übergang zwischen Implantatspule und Wandler bietet maximale Flexibilität in der Positionierung des Implantats und damit eine größtmögliche Anpassung an die individuelle Anatomie: Die optimale Platzierung und Fixierung des Wandlers im Knochen wird dadurch enorm erleichtert, dass sich das Spulenteil des Implantats horizontal bis zu 90° in beide Richtungen sowie bis zu 30° nach oben und unten biegen lässt.
Das Risiko von Komplikationen während oder nach der Operation, die durch eine nicht ideale Platzierung des Implantats entstehen können, wird so minimiert. Mehrere Studien heben hervor, dass die BONEBRIDGE in allen inkludierten Fällen komplikationslos und rasch implantiert werden konnte.[4][5][6][13]
Der biegbare Übergang sorgt für chirurgische Flexibilität.
Einen weiteren Beitrag zur langfristigen Zuverlässigkeit des BONEBRIDGE Implantats leisten die Einbettung des Wandlers in den Knochen und die stabile Zweipunktfixierung mithilfe selbstbohrender Schrauben.
Im Gegensatz zu anderen Knochenleitungsimplantaten wird die BONEBRIDGE nicht einfach auf den Knochen aufgesetzt und verschraubt, sondern fast zur Gänze im Knochen versenkt. Das einfach zu bohrende Implantatbett im Felsenbein erfordert eine Tiefe von max. 4,5 mm. Der enorm flache, ergonomisch geformte Wandler des BCI 602 lässt sich also auch bei Kindern oder Erwachsenen mit dünner Knochenstärke im Felsenbein problemlos einbetten.[7]
Welchen Nutzen bringt diese Einbettung samt doppelter Fixierung? Zum einen wird ein Überstand vermieden – das Implantat steht kaum vom Knochen ab, da es zum überwiegenden Teil in diesem versenkt wird. Dadurch wird der Druck auf das Gewebe über dem Knochen minimiert und das BONEBRIDGE Implantat ist von außen kaum erkennbar, was bei anderen transkutanen Implantaten nicht gegeben ist, die eine deutliche Wölbung erzeugen.
Sichere Zweipunktfixierung mit selbstbohrenden Schrauben
Zum anderen – und dieser Aspekt ist noch wichtiger als der eben erwähnte kosmetische – unterstützt die Implantat-Fixierung die Stabilität gegenüber äußerer Krafteinwirkung. Stößt sich etwa ein Kind mit BONEBRIDGE Implantat den Kopf, minimieren Knochenbett und Zweipunktfixierung die Gefahr einer Beschädigung des Implantats. Knochenleitungsimplantate, die nur mit einer Schraube am Knochen befestigt sind, bergen demgegenüber ein erhöhtes Risiko, dass das Implantat durch äußere Einwirkung Schaden nimmt.[9]
Nicht zuletzt deshalb ist die BONEBRIDGE ein ideales Implantat-System für aktive, unternehmungslustige Personen. Mit der individuellen Anpassbarkeit an die Anatomie, dem robusten Design und der stabilen Fixierung sind Ihre Patientinnen und Patienten für alle Lebenslagen gerüstet.
Dies führt uns nahtlos zu einem weiteren Vorzug der BONEBRIDGE: Zugang zu MRT-Untersuchungen ohne Entfernung des Implantats. Das BONEBRIDGE Implantat ermöglicht MRTs bei 1,5 Tesla.* Detaillierte Information finden Sie auf www.medel.com/de/isi.
Was Zuverlässigkeit, chirurgische Flexibilität, audiometrische Hörresultate und subjektive Zufriedenheit anbelangt, kann es kein anderes aktives, transkutanes Knochenleitungsimplantat mit der BONEBRIDGE aufnehmen. Mit der BONEBRIDGE setzen Sie auf das weltweit fortschrittlichste aktive Knochenleitungsimplantat – und auf jenes mit der längsten Markterfahrung. Davon profitieren Sie und Ihre Patientinnen und Patienten.
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* Das BONEBRIDGE Knochenleitungsimplantat ist bedingt MR-sicher. BONEBRIDGE Nutzer können sich problemlos einer MRT-Untersuchung bei 1,5 Tesla unterziehen, sofern die Voraussetzungen gemäß der Gebrauchsanweisung eingehalten werden.
References
Systematic review and meta-analysis of audiological and patient-reported outcomes with the BONEBRIDGE active bone-conduction implant. MED-EL, 2021. Version 1.2 (May 2022). URL: https://go.medel.pro/OutcomesBB
Plontke et al.: Implantation of a new active bone conduction hearing device with optimized geometry, HNO 2020 Aug, 68 (Suppl 2), 106-115.
White paper on safety outcomes of bone conduction and middle ear implants: a systematic review, rev. 5.0 (2020).
Magele et al.: Active transcutaneous bone conduction hearing implants: systematic review and meta-analysis. PLoS One, 2019 Sep 16, 14 (9), e0221484.
Sprinzl et al.: Surgical Experience and Early Audiological Outcomes with New Active Transcutaneous Bone Conduction Implant, Otol Neurotol, 2021 Sep 1;42(8):1208-1215.
Yang et al: Audiological and subjective outcomes of 100 implanted transcutaneous bone conduction devices and preoperative bone conduction hearing aids in patients with bilateral microtia-atresia, Acta Otolaryngol 2020 Aug, 140 (8), 675-681.
Wenzel et al.: Changes in bone conduction implant geometry improve the bone fit in mastoids of children and young adults, Otol Neurotol 2020 Jul, 27.
The BONEBRIDGE Post-Market Clinical Follow-up Study (2019).
McLarnon et al.: Resonance frequency analysis of osseo-integrated implants for bone conduction in a pediatric population – a novel approach for assessing stability for early loading, Int. J. Pediatr. Otorhinolaryngol 2014 Apr, 78 (4), 641-644.
Caversaccio et al.: Safety profiles of bone-conduction hearing implants revisited: A meta-analytic comparison adjusted for follow-up time, Eur Arch Otorhinolaryngol 2025 Nov;282(11):5529-5538.
Plontke et al: The Bonebridge BCI 602 Safety and Performance 1 Year Post-Implantation in Adults and Children: A Multicentric Post-Market Study. Otol Neurotol 2026 Jan 1;47(1):175-184.
Sprinzl et al.: Multicentric study on surgical information and early safety and performance results with the Bonebridge BCI 602: an active transcutaneous bone conduction hearing implant. Eur Arch Otorhinolaryngol 2023 Apr;280(4):1565-1579.
Cywka et al.: Evaluation of the Bonebridge BCI 602 active bone conductive implant in adults: efficacy and stability of audiological, surgical, and functional outcomes. Eur Arch Otorhinolaryngol 2022 Jul;279(7):3525-3534.
Rak et al.: Lifetime Real-World Evidence on Safety and Performance of the First Active Transcutaneous Bone Conduction Implant (BCI), the Bonebridge Covering Conductive to Mixed Hearing Loss (CMHL), and Single-Sided Deafness (SSD): Results From a Long-Term Retrospective Analysis. Otol Neurotol 2026 Apr 1;47(4):556-564.
Seiwert et al.: Clinical and functional results after implantation of the bonebridge, a semi-implantable, active transcutaneous bone conduction device, in children and adults. European Archives of Oto-Rhino-Laryngology, 2022, 279:101-113.
Cywka et al.: The Bonebridge BCI 602 Active Transcutaneous Bone Conduction Implant in Children: Objective and Subjective Benefits. Journals of Clinical Medicine 2021, 10, 5916.
Šikolová et al.: Two Bonebridge bone conduction hearing implant generations: audiological benefit and quality of hearing in children. European Archives of Oto-Rhino-Laryngology, 2021 Sep 8.
Referenzen
Max Schnabl, Mag. BA
Max ist Teil des Redaktionsteams des MED-EL Professionals Blogs. Als Texter und Journalist hat er sich ab 2017 auf das Schreiben über Hörlösungen spezialisiert. Mit Freude berichtet er medizinischen Fachpersonen über Produktinnovationen und Neues aus der Welt der HNO-Chirurgie.
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