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Veröffentlicht Mär 24, 2026 | Mai 07, 2026
Die Möglichkeit, den Cochlea-Implantat-Audioprozessor bereits in den ersten Tagen nach der Implantation zu aktivieren und erstanzupassen, wird von immer mehr Kliniken angeboten. Der vorliegende Beitrag fasst neue Publikationen und Erkenntnisse zur frühen CI-Aktivierung zusammen und beleuchtet deren Effekte auf Versorgung, Hörresultat, Sicherheit, Impedanzwerte, Anpassparameter und Komplikationsrisiken.
Seit Jahrzehnten werden Cochlea-Implantate typischerweise ca. drei bis sechs Wochen nach der Implantation aktiviert – argumentiert wurde diese Zeitspanne mit der Dauer des Heilungsprozesses nach dem Eingriff. Verfeinerte OP-Techniken und bessere postoperative Nachsorge ließen in der jüngeren Vergangenheit immer mehr Kliniken dazu übergehen, von der „frühen Aktivierung“ Gebrauch zu machen. Konkret ist damit die Aktivierung und Erstanpassung des CI-Audioprozessors im Zeitraum vom ersten bis zum vierzehnten Tag nach der Implantation gemeint.[1][4][5][9][11]
„Die frühe Aktivierung verkürzt die Dauer zwischen Eingriff und der Erstaktivierung des Audioprozessors. Sie ist sicher und hat keine negativen Auswirkungen auf Wundheilung oder Schmerzen. Darüber hinaus ermöglicht sie Personen mit CI, früher mit der Hörrehabilitation zu beginnen, was zu rascheren Verbesserungen von Sprachwahrnehmung und Sprachentwicklung führen kann.“
Prof. Dr.-Ing. Uwe Baumann
Leiter Audiologische Akustik an der HNO-Klinik der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Durch neue chirurgische Techniken und Zugänge gelang es, Heilungsdauer und kosmetische Resultate deutlich zu verbessern und so eine solide Basis für eine zeitigere CI-Aktivierung zu legen:
Andere technologische und medizinische Innovationen trugen zusätzlich dazu bei, die Strategie der frühen CI-Aktivierung zu stärken:
All diese Fortschritte schaffen geeignete Rahmenbedingungen für Kliniken, um die frühe CI-Aktivierung sicher zu gestalten und den versorgten Personen einen frühzeitigen Zugang zu Klängen zu ermöglichen.
In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Zahl der Veröffentlichungen, in denen die frühe Aktivierung mit der konventionellen Aktivierung verglichen wird, fast verdoppelt. Die Publikationen behandeln eine Vielzahl von Themen, darunter Sicherheit, Elektrodenimpedanzen, ECAP-Werte, audiologische und sprachliche Ergebnisse, Tragedauer der Geräte und direkte Rückmeldungen von CI-Nutzer*innen. Im Folgenden werden einige zentrale Erkenntnisse aus diesen Studien kurz zusammengefasst und erörtert.
Ein systematischer Review unter Einschluss von 19 Studien und 857 Patient*innen mit früher Aktivierung kam zu folgendem Schluss:
„Die frühe Aktivierung ist sicher und sinnvoll und beeinträchtigt keineswegs die Hör- und Sprechresultate der Patientinnen und Patienten.“
Übersetzt aus Alshalan et al. (2023)
Laut aktueller Literatur gibt es keine größeren Komplikationen bei einer frühen Aktivierung – die Komplikationsraten sind mit jenen einer klassischen Aktivierung vergleichbar.
In manchen Fällen wurden geringfügige Komplikationen festgestellt, etwa hinsichtlich der Unversehrtheit der Inzision [16] oder der Retention von Spule und Magnet [10][16] sowie leichte Schmerzen [1][6][6][10] , Hautinfektionen [1][5][6][16] und die Notwendigkeit von Anpassungen der Magnetstärke [6][11][16].
Mehrere Studien zeigten, dass die Impedanzwerte in der ersten Phase nach der frühen Aktivierung signifikant niedriger ausfielen.[3][10] Eine Langzeitstudie stellte zudem fest, dass die Impedanzwerte nach der frühen Aktivierung für die Dauer von bis zu zwei Jahren nach der Implantation durchgehend niedriger waren.[2]
Eine andere Studie berichtet, dass die Impedanzstabilisierung nach früher Aktivierung deutlich rascher erfolgt als nach klassischer Aktivierung.[17] Besonders bemerkenswert: Nach Aktivierung gleich am Folgetag der Implantation setzte die Impedanzstabilisierung nahezu doppelt so schnell ein wie nach klassischer Aktivierung.[17]
Verhältnismäßig wenige Studien befassten sich mit elektrisch evozierten Potenzialen sowie Anpassparametern. Eine von ihnen ergab, dass die ECAP-Schwellen nach früher Aktivierung ähnlich wie jene nach klassischer Aktivierung waren.[5] Unterschiede im Ergebnis zeigten sich in Bezug auf die Behaglichkeitsschwelle (MCL), Hörschwellen und den Dynamikbereich.[3][4][18]
Eine frühe Aktivierung beeinträchtigt die Hör- und Sprachresultate nicht. [15] Die getesteten Hörschwellen präsentieren sich nach frühzeitiger Aktivierung nahezu gleich wie nach klassischer Aktivierung.footnote id=“5″][7] Studien zur Untersuchung der Sprechleistung zeigten in kurz-, mittel- und langfristigen Evaluierungen ebenfalls gleichwertige Ergebnisse.[5][7]
Die meisten MED-EL Nutzer*innen können von der ersten Aktivierung bis zur Nachuntersuchung durchgängig die Standard-Magnetstärke verwenden.[7][12] In den ersten Tagen nach der Aktivierung können jedoch vorübergehende Anpassungen erforderlich sein [6][7] und Hautirritationen auftreten, wenngleich sehr selten.[5]
Während die Tragedauer des Audioprozessors in den ersten Tagen unmittelbar nach einer frühen CI-Aktivierung etwas kürzer ausfallen kann,[7] ist sie im Zeitraum zwischen einem und drei Monaten vergleichbar mit der Tragedauer nach klassischer Aktivierung.[7][19]
Ein systematischer Review zu 15 Studien und 625 Patient*innen mit früher CI-Aktivierung kam zu folgendem Befund:
„Die frühe Cochlea-Implantat-Aktivierung ist sinnvoll, sie ermöglicht Betroffenen ohne Kontraindikationen einen früheren Zugang zu auditiver Wahrnehmung sowie Hörrehabilitation und verringert zudem Sorgen und Ängste, die mit einer verspäteten Aktivierung einhergehen können.“
Übersetzt aus Parker et al. (2024)
Die Magnetstärke sollte nach der Aktivierung regelmäßig kontrolliert werden. In der Fachliteratur wird empfohlen, die CI-Aktivierung bei Personen mit vestibulären Problemen, Wundinfektionen oder Schmerzen, Serumansammlungen, Schwellungen, Ödemen oder Instabilität des Stimulators auf später zu verschieben.[1][8][14][16] Medizinische Fachpersonen sind dazu angehalten, nach eigenem Ermessen den für jeden Patienten besten Aktivierungszeitpunkt zu bestimmen.
„Vor mehr als 15 Jahren sind wir zu minimalinvasiven OP-Techniken übergegangen und haben erstmalig die frühe CI-Aktivierung vorgenommen. Tausende erfolgreiche Fälle später hat sich die frühe Aktivierung als sicheres, zuverlässiges und transformatives Verfahren erwiesen – zweifelsfrei eine der besten Entscheidungen meiner Laufbahn.“
Prof. Abdulrahman Hagr, MBBS FRCS(c)
HNO-Abteilung der King Saud University Riyadh
MED-EL verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Kliniken, die eine frühe Aktivierung anbieten. Auch wenn sie möglicherweise nicht für alle Menschen mit CI geeignet ist, hat sich die frühzeitige Aktivierung bereits für Tausende von MED-EL CI-Nutzer*innen als sicher, effektiv, kosteneffizient und emotional transformativ erwiesen.
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Blog abonnierenEin herzliches Dankeschön geht an unseren Kollegen Yassin Abdelsamad, PhD, Head of Research MED-EL Middle East, für das Verfassen des englischsprachigen Originalartikels, der dieser ins Deutsche übersetzten Fassung zugrunde liegt.
References
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Alahmadi, A., Abdelsamad, Y., Yousef, M., Almuhawas, F., Hafez, A., Alzhrani, F., & Hagr, A. (2024). Cochlear Implantation: Long-Term Effect of Early Activation on Electrode Impedance. Journal of Clinical Medicine, 13(11), 3299. https://doi.org/10.3390/jcm13113299
Alhabib, S. F., Abdelsamad, Y., Yousef, M., Alzhrani, F., & Hagr, A. (2021). Effect of early activation of cochlear implant on electrode impedance in pediatric population. International Journal of Pediatric Otorhinolaryngology, 140, 110543. https://doi.org/10.1016/j.ijporl.2020.110543
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