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Seit einem Vierteljahrhundert ermöglicht ein so revolutionäres wie konkurrenzloses Mittelohrimplantat-System tausenden Menschen auf der ganzen Welt, wieder zu hören: die VIBRANT SOUNDBRIDGE. Grund genug, mit Thomas Lenarz, einem der erfahrensten Hörimplantat-Chirurgen Deutschlands, einen Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieses aktiven Mittelohrimplantats zu werfen. Im Interview erinnert er sich an die ersten VIBRANT SOUNDBRIDGE Implantationen, skizziert Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte und wagt einen Ausblick auf künftige Herausforderungen in der Implantatversorgung.

Herr Prof. Lenarz, können Sie sich noch an die Anfänge der VSB vor 25 Jahren erinnern?

Wir haben 1997 in Hannover als zweite Klinik nach Zürich (Prof. Fisch) im Rahmen einer Studie die ersten 20 Patienten mit einer VSB versorgt. Seinerzeit wurden ausschließlich Patienten mit sensorineuraler Schwerhörigkeit implantiert, bei denen die grundsätzliche Indikation für eine Hörgeräteversorgung bestand. Wir haben damals die Operationstechnik entwickelt – unter Beachtung der strengen Kriterien der Mittelohrchirurgie, um eine Schädigung des Innenohres zu vermeiden. In Einzelfällen waren hierzu spezielle OP-Verfahren erforderlich, die extra dafür entwickelt wurden.

Was hat sich seit damals auf dem Feld der Mittelohrimplantate getan?

Seither hat sich vor allem die Indikationslage deutlich geändert. Die SOUNDBRIDGE kommt heute im Wesentlichen bei Patienten mit kombinierter Schwerhörigkeit zum Einsatz, also mit einer Mittelohrkomponente der Schwerhörigkeit, die durch konventionelle chirurgische Maßnahmen nicht zu verbessern ist, weshalb die Patienten auf eine innenohrnahe mechanische Stimulation angewiesen sind.

Dank der Weiterentwicklung der Coupler können heute nahezu sämtliche Mittelohr-Situationen durch geeignete Ankopplungen abgedeckt werden. Hinzugekommen ist zudem der Einsatz bei Kindern sowie bei Patienten, bei denen wir eine sogenannte Obliteration des Mittelohrs durchgeführt haben.

Welche Erfahrungen haben Sie in Bezug auf die Hörresultate und den Langzeit-Nutzen der VIBRANT SOUNDBRIDGE gemacht?

Wir haben eine Langzeitanalyse unserer Hörergebnisse vorgenommen bei Patienten mit vor allem sensorineuraler, aber auch kombinierter Schwerhörigkeit. Dabei zeigen sich erfreulicherweise sehr langzeitstabile Hörergebnisse, die im Wesentlichen durch die Funktion des Innenohrs bedingt sind.

Nimmt dieses ab, kann sich die Leistungsfähigkeit des Implantats vermindern, bleibt diese stabil, ist auch die Leistung des Implantats praktisch stabil. Incus-Nekrosen oder andere Komplikationen sind extrem selten.

In welchen Fällen kommt die SOUNDBRIDGE vorwiegend zum Einsatz?

Wir haben mehr als 300 VSB-Implantationen durchgeführt, zurzeit vorwiegend bei Patienten mit kombinierter Schwerhörigkeit, aber auch bei Patienten mit rein sensorineuraler Schwerhörigkeit sowie bei Patienten mit chronischer Gehörgangsentzündung, bei denen eine Versorgung mit konventionellen Hörgeräten nicht möglich ist.

Ist die VSB eine gute Lösung für Kinder?

Kinder können versorgt werden, da das Mittelohr nicht mehr wächst. Weitere wichtige Punkte, die in diesem Zusammenhang für die VSB sprechen: Die Durchführung von MRTs ist möglich. Und überzeugend ist auch die Möglichkeit von Prozessor-Upgrades, sodass keine Reimplantation erforderlich ist.

Thomas Lenarz

Prof. Dr. Thomas Lenarz, Direktor der HNO-Klinik und des Deutschen HörZentrums der Medizinischen Hochschule Hannover

Was sind ungewöhnliche Indikationen bzw. Bedingungen, in denen die SOUNDBRIDGE ihre Vorzüge besonders stark ausspielt?

Besondere Vorteile der VSB bestehen zum einen im Einsatz bei Kindern, zum anderen darin, dass sie auch bei einer chronischen Mittelohrentzündung und Obliteration des Mittelohres verwendet werden können und eine hohe Flexibilität in der Ankopplung bieten.

Was schätzen Sie an der VSB besonders?

Die chirurgischen Möglichkeiten haben sich mit der zweiten Generation, dem VORP 503 Implantat, durch die diversen Koppelelemente (Coupler) sehr verbessert. Die VSB ist aktuell das Implantat der Wahl bei Patienten mit einer mittel- bis hochgradigen kombinierten Schwerhörigkeit.

Gegenüber Hörgeräten hat sie vor allem bei Patienten mit hochgradigem Hörverlust eine deutlich höhere Wirksamkeit, ebenso bei Patienten mit chronischer Gehörgangsentzündung.

Extrem wichtig ist die hohe Zuverlässigkeitsrate, da die Patienten ja schon meistens mehrere Operationen hinter sich haben und eine dauerhaft stabile Lösung für sie deswegen von besonderer Bedeutung ist.

Wann und wie entscheiden Sie, welchen Coupler Sie im konkreten Fall verwenden?

Die Entscheidung zum konkreten Coupler richtet sich nach der vorliegenden anatomischen Situation, die wir präoperativ anhand des Cone Beam CTs, intraoperativ jedoch anhand des Situs treffen können. Grundsätzlich kommen aufgrund der unterschiedlichen anatomischen Gegebenheiten alle Coupler zum Einsatz.

Wohin geht die Reise auf dem Gebiet aktiver, transkutaner Mittelohrimplantat-Systeme?

Künftig ist eine effizientere Indikationsstellung im Hinblick auf die zu verwendenden Wandler ein wichtiger Schritt, weiterhin auch die Verfeinerung und Weiterentwicklung der Coupler-Elemente sowie die verbesserte präoperative Diagnostik für eine adäquate Prädiktion des Hörerfolges.

Insgesamt ist der Markt noch in der Entwicklung – er ist allerdings größer, als er aktuell erscheinen mag. Eine Erweiterung der Indikation hängt im Wesentlichen von einem noch leistungsfähigeren FMT ab, der insbesondere den Tieftonbereich besser stimulieren kann. Deshalb hoffe ich, dass die VIBRANT SOUNDBRIDGE in diese Richtung weiterentwickelt wird, um auch Patienten mit hochgradigem Schallempfindungshörverlust wirkungsvoll helfen zu können.

Vielen Dank für das Interview, Herr Prof. Lenarz!

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Weltweit einzigartiges Mittelohrimplantat-System

Als erstes und momentan einziges aktives und transkutanes Mittelohrimplantat setzt die VIBRANT SOUNDBRIDGE Maßstäbe in Zuverlässigkeit, chirurgischer Flexibilität und Hörleistung. Seit mehr als 25 Jahren am Markt, kommt die VSB heute in mehr als 60 Ländern auf der ganzen Welt zum Einsatz.

Bei leichter bis schwerer Schallempfindungsschwerhörigkeit präsentiert sich die VIBRANT SOUNDBRIDGE als ideale Alternative zu konventionellen Hörgeräten. Mit ihr profitieren Nutzer von einem natürlichen Hörerlebnis, einem freien Gehörgang und hohem Tragekomfort.

Bei Schallleitungs- und kombiniertem Hörverlust liefert die VSB ebenfalls hervorragende Resultate. Sie überbrückt Probleme im Außen- und Mittelohr und bietet sich etwa für Patienten mit chronischer Otitis externa, Atresie oder Radikalhöhlen an.

Die VSB zeichnet sich u. a. durch folgende Vorteile aus:

  • Einziges aktives, transkutanes Mittelohrimplantat
  • Großartige Hörergebnisse1,2,3,4,6,8
  • Sehr hohe Nutzerzufriedenheit5
  • Gehörgang bleibt vollkommen unberührt
  • Flexible Coupler-Wahl je nach Anatomie6
  • Ideale Lösung für Kinder
  • MRTs bei 1,5 T möglich*
  • Hervorragende Zuverlässigkeit7,8
  • Kompatibel mit künftigen Audioprozessoren

VSB 2009VSB heute

Die VIBRANT SOUNDBRIDGE 2009 (Amadé Audioprozessor und VORP 502 Implantat) und 2021 (SAMBA 2 und VORP 503)

Weiterlesen, weiterschauen: Mehr zur VSB

Lesen Sie auch den aktuellen Beitrag zum Thema „25 Jahre VIBRANT SOUNDBRIDGE“, an dem der Erfinder der SOUNDBRIDGE, Geoffrey Ball, mitgewirkt hat: Design and Development of the VIBRANT SOUNDBRIDGE – A 25-Year Perspective.

Webinar: Die Aufzeichnung des Webinars zum VSB Jubiläum können Sie sich in der MED-EL Academy ansehen: „25 Years of VIBRANT SOUNDBRIDGE – A Story of Success

Online-Whitepaper zu VSB Resultaten: Eine umfassende Meta-Analyse von audiologischen und patientenspezifischen SOUNDBRIDGE Resultaten finden Sie hier: VIBRANT SOUNDBRIDGE Outcomes

Und werfen Sie einen Blick auf unsere Blog-Artikel zu Effizienz, Sicherheit und Zuverlässigkeit der VIBRANT SOUNDBRIDGE im Vergleich mit konventionellen Hörgeräten und Knochenleitungslösungen sowie zum SAMBA 2, dem aktuellen Audioprozessor des VSB Systems.

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Referenzen

  1. Kließ, M. K., Ernst, A. , Wagner, J. and Mittmann, P. (2018), The development of active middle ear implants: A historical perspective and clinical outcomes. Laryngoscope Investigative Otolaryngology, 3: 394-404. DOI: ttps://doi.org/10.1002/lio2.215 10.1002/lio2.215
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  5. Han JJ, Rhee J, Song JJ, Koo JW, Choi BY. Clinical Predictors for Satisfaction with Incus Vibroplasty: A Preliminary Study. European archives of oto-rhino-laryngology: official journal of the European Federation of Oto-Rhino-Laryngological Societies (EUFOS) : affiliated with the German Society for Oto-Rhino-Laryngology – Head and Neck Surgery. 2018, 275 (2), 371-378.
  6. Rahne et al., A Retrospective European Multicenter Analysis of the Functional Outcomes after Active Middle Ear Implant Surgery using the Third Generation Vibroplasty Couplers, Eur Arch Otorhinolaryngol, 2021 Jan, 278 (1), 67-75. DOI: 10.1007/s00405-020-06064
  7. Schwab et al., Adverse events associated with bone-conduction and middle-ear implants: a systematic review, Eur Arch Otorhinolaryngol, 2020 Feb, 277 (2), 423-438. DOI: 10.1007/s00405-019-05727-8
  8. M. Hempel et al., A Transcutaneous Active Middle Ear Implant (AMEI) in Children and Adolescents: Long-term, Multicenter Results, Otol Neurotol, 2019 Sep, 40 (8), 1059-1067. DOI: 10.1097/MAO.0000000000002340

* Das VORP 503 Implantat ist bedingt MR-sicher: VIBRANT SOUNDBRIDGE Nutzer mit VORP 503 Implantat können sich problemlos einer MRT-Untersuchung bei 1,5 Tesla unterziehen, sofern die Voraussetzungen gemäß der Gebrauchsanweisung eingehalten werden. Das Vorgängermodell VORP 502 ist dagegen nicht für MRT-Scans zugelassen.

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