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Nach Operationen an mehreren Kliniken in der Schweiz, in Belgien, Österreich, Deutschland und Frankreich lässt sich eindeutig feststellen: Der HEARO Roboter hat sich als innovative Unterstützung bei Cochlea-Implantat-Operationen mehr als bewährt. Grund genug, die ersten Erfahrungen einiger HNO-Chirurgen mit dem HEARO System mit Ihnen zu teilen. Im Folgenden lesen Sie, was Prof. Frédéric Venail (Universitätsklinik Montpellier), Prof. Marco Domenico Caversaccio (Universitätsklinik Inselspital Bern) und Prof. Thomas Klenzner (Universitätsklinikum Düsseldorf) über Funktionalität und Vorteile des HEARO OP-Roboters berichten.

Ziel der innovativen, von MED-EL und dem Schweizer Medizintechnikunternehmen CAScination in Kooperation mit der Universitätsklinik Inselspital Bern entwickelten HEARO Technologie ist es, Chirurg*innen bei CI-Operationen optimal zu unterstützen und die Eingriffe für Patient*innen noch sicherer zu gestalten. HEARO schafft mit einer präzisen, vom Operateur vordefinierten Bohrung einen minimalinvasiven Zugang zur Cochlea und so einen idealen Weg zur Einführung des CI-Elektrodenträgers. Auf diese Art trägt HEARO zu einer schonenden Insertion der Elektrode und zu einem bestmöglichen Erhalt vorhandenen Resthörvermögens bei.

HEARO Roboter

 

Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen Operateur und HEARO Roboter im Detail?

„Der Chirurg plant und greift ein, wenn an der Maschine etwas nicht stimmt“, erklärt Prof. Marco Caversaccio vom Inselspital Bern. Hinzu kommt die Freigabe der Bohrung und deren ständige Überwachung, z. B. mittels Röntgentechnik und einem permanenten Monitoring der Gesichtsnerven. Ist der winzige Kanal gebohrt, ist die Arbeit des Roboters beendet – das Einführen des Elektrodenträgers erfolgt manuell. Ebenfalls den Händen des Chirurgen überlassen sind das Anlegen des knöchernen Implantatbetts und der Wundverschluss.

Prof. Thomas Klenzner vom Universitätsklinikum Düsseldorf vergleicht das chirurgische Vorgehen bei der HEARO Operation mit einem Passagierflug: „Zuallererst muss der Operateur wie ein Flugkapitän praktisch sehr gut ausgebildet sein und zu jeder Zeit die Operation manuell übernehmen können. Ähnlich einer Flugreise gibt es auch hier verschiedene Schritte und Sicherheitschecks, die durch den Operateur verantwortet werden.“

Was schätzen die Chirurgen am HEARO Roboter?

Die Bohrung durch HEARO ist äußerst präzise und zudem bis ins kleinste Detail planbar. An gewissen wichtigen Stellen, z. B. bei anatomischen Malformationen, könne HEARO mitunter präziser arbeiten als der Mensch, ist Prof. Caversaccio überzeugt. Die Präzision zeigt sich zudem in der Schonung des „natürlichen Mastoidzellsystems mit sehr gutem Schutz des Elektrodenträgers im Knochenkanal, ohne dadurch z. B. eine kosmetisch unvorteilhafte Einziehung hinter dem Ohr zu entwickeln“, ergänzt Prof. Klenzner. Was den Aspekt der Planbarkeit angeht, sieht Klenzner ebenfalls einen Fortschritt durch HEARO, „da die geplante Trajektorie bzw. der Zugangsweg vorab überprüfbar wird“.

OTOPLAN als Schlüssel zur HEARO Operation

Alle drei Chirurgen heben die wichtige Rolle des OTOPLAN OP-Planungstools für eine erfolgreiche HEARO Implantation hervor. OTOPLAN kommt vor, während und nach der HEARO OP zum Einsatz – von der Planung der Bohr-Trajektorie bis zur finalen Kontrolle der Elektrodenposition , wie Prof. Klenzner ausführt: „Vor der OP dient OTOPLAN zur Überprüfung der anatomischen Voraussetzungen und unterstützt den Operateur in der Entscheidungsfindung, ob eine OP mit dem HEARO sicher möglich ist. Während der OP dient OTOPLAN zur Herstellung eines navigierbaren Datensatzes zur Bohrung der Trajektorie und zur Überprüfung der Genauigkeit der Bohrung vor Passage des Gesichtsnerven. Und nach der OP kann mittels OTOPLAN eine auf die tatsächliche Lage der Elektrode in der Cochlea angepasste CI-Einstellung entsprechend der individuell zu stimulierenden Frequenzen erstellt werden.“

HEARO Roboter

Ohne OTOPLAN kein Robotereingriff. (Prof. Marco Domenico Caversaccio)

Intensive intraoperative Überwachung

Prof. Frédéric Venail vom Universitätsklinikum Montpellier betont die engmaschige Überwachung des Bohrvorgangs durch OTOPLAN während der OP: „OTOPLAN dient während des Eingriffs als Bindeglied zwischen Chirurg und Roboter. Die Software kommt während des Bohrens zum Einsatz, um zu überwachen, wie stark sich die Bahn des Bohrers dem Gesichtsnerv annähert.“ So wurde die erste HEARO Implantation in Frankreich – durchgeführt an einer älteren Patientin mit fortschreitender Gehörlosigkeit – von wiederholten Kontrollmessungen der evozierten Aktionspotenziale des Nervus facialis mittels einer speziellen Stimulationssonde begleitet. „Aufgrund der Anzahl der Kontrollpunkte ermöglicht die OP mit HEARO eine intensivere Überwachung der Funktion des Gesichtsnerven als bei herkömmlichen OP-Verfahren“, resümiert Venail, der sich zudem über die Bedienung des Systems freut: Trotz der Vielfalt an unterschiedlichen Parametern, welche die Software verarbeitet, hätten „MED-EL und CAScination es geschafft, dass sie sehr nutzerfreundlich ist“.

Die Premiere in Frankreich war erfolgreich: „Eine finale bildgebende Untersuchung bestätigte die korrekte Positionierung des FLEX28 Elektrodenträgers in der Scala tympani mit einer vollständigen Einführtiefe von 540°“, berichtet Prof. Venail, „der Patientin ging es nach dem Eingriff gut – sie und ihr Chirurg hatten ein Lächeln im Gesicht“.

 

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